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Letzte Veröffentlichungen von Mitgliedern der Gruppe Surpasser

■ Lukas Holfeld: Die Aufhebung der Avantgarde [Rezension Phase 2.40, Herbst 2011, aergernis.blogsport.de]

■ Lukas Holfeld: Vom Scheitern der Sprache – Friedrich Nietzsche und die Sprachphilosophie [April 2011, beatpunk.org]

■ W. Morgenroethe: Fragmente und Aphorismen [ca. 2010, spektakel.blogsport.de]

■ Secret: Vom Verlusst [Oktober 2010, secretterm.blogsport.eu]

Während der Großteil dieser Texte kaum mehr Aktualität beanspruchen kann, werkeln wir verbissen in unseren Hinterzimmern am Fortschritt und der Radikalisierung unserer Gedanken, die bedrängt von der Wirklichkeit zur selben drängen. Wir hoffen, in Kürze Ergebnisse dieser Tätigkeit veröffentlichen zu können.

Posted in Allgemein, Texte.


Wir haben Träume und Wünsche für die Zukunft verkauft

von W. Morgenröthe, Gruppe Surpasser

Wer zurzeit sich in den Berliner Martin-Gropius-Bau begibt, der vor kurzem noch die Ausstellung „60 Jahre – 60 Werke“ beherbergte, kann nun die „Retrospektive eines Foto-Genies“ (Stern) begutachten. Gemeint ist F. C. Gundlach, der als bedeutendster Modefotograf der Bundesrepublik gilt. Dementsprechend gibt es auch hübsche Katalogbildchen zu sehen – neben einigen Urlaubsfotografien. Tatsächlich lässt sich an diesem – so möchte man meinen – recht banalen Beispiel einiges über das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit in Zeiten des postindustriellen Kapitalismus aufzeigen.
Der Reklamecharakter der Kultur wird in dieser Ausstellung nicht verleugnet, er wird geradezu zum Aushängeschild. Schon der Erfolg des Produzenten – der bedeutendste undsoweiterundsofort – dient als Legitimation, um seine Fotografien in ein Museum zu hängen. Die Fotografien selbst erzählen auch eine Erfolgsgeschichte: von Dior-Kleidern, die die Ehre hatten auf mehr oder minder prominenten menschlichen Schaufensterpuppen abgelichtet zu werden und den Ruhm der Stoff gewordenen verausgabten Arbeitskraft in alle Welt zu tragen. Modefotografie ist Auftragsarbeit, jedoch nicht nur zur Repräsentation einer speziellen Marke, sondern auch im Sinne der gesellschaftlichen Maschinerie, die die bunte Welt der Waren und Reklame hervorbringt. Die wohlinszenierten Fotografien überbieten sich in Ähnlichkeit, in der Grundkonstellation, in dem Lächeln der Kleiderträgerinnen, in dem nüchtern Realismus, der von der treuen Unterwerfung unter das Bestehende kündet. Dass ein Teil des Problems schon durch die Wahl des Mediums bedingt ist, stellte Brecht schon 1931 fest als er notierte, dass „eine Fotografie der Kruppwerke oder der AEG […] beinahe nichts über dieses Institut [ergibt].“ Die Realität entzieht sich in entscheidenden Aspekten der bildlichen, erst recht der realistischen, Darstellung. So wird die Kulturindustrie zur treuen Verdopplung der Welt, sie verwischt die Grenzen zur empirischen Realität.
Gundlachs Fotografien weisen auch eine explizite ideologische Funktion auf. So antwortet der Fotograf in einem Interview auf die Frage nach den Produktionsbedingungen im kriegszerstörten Berlin in einem Interview, dass die Illusion eine Auflage war. „Es gab bei uns keine Trümmer! Wir haben Träume und Wünsche für die Zukunft verkauft. Die Generation, die das Sagen hatte, hatte die Katastrophe, ja das Inferno überlebt und wollte ganz bewusst nicht zurückgucken.“ (Berliner Morgenpost) Die Trümmer waren für ihn das zerstörte Berlin. Seine Argumentation grenzt an Geschichtsverleugnung. Gerade die Deutschen hatten das Inferno veranstaltet und nicht einfach nur passiv überlebt. Nach Auschwitz liegt die Idee der Humanität in Trümmern. Aber auch darüber täuscht das kokette Lächeln des Erfolgs hinweg.
Die Aktualität der Ausstellung begründet sich auch auf diesem Zusammenhang. Die Totalität der Warengesellschaft und der Reklame soll die Trümmerlandschaft, überhaupt das Leiden, welches gesellschaftlich produziert wurde und wird, vergessen machen. Fotografien, die sich nicht einmal den ideologischen Schein hoher Kunst geben wollen, sind in Anbetracht einer umfassenden Krise der Wertschöpfung ein weiteres Element im totalen System der Kulturindustrie. In der Verteidigung des Bestehenden wird die Botschaft überbracht, dass Träume und Wünsche weiterhin in Form von Dior-Kleidern – schlicht und einfach in Warenform – verkauft werden. Nichts anderes vermittelt diese Ausstellung.

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Ein Wutgesang auf den Zwiebelmarkt

November 2009, Anselm Gramschnabel, Gruppe Surpasser

Die Buden sind inzwischen wieder abgebaut und nachdem der Zwiebelmarkt (8.10. – 11.10.2009) nun vorbei ist, bereiten sich die Weimarer Bürger auf den Winter vor und freuen sich schon auf den Weihnachtsmarkt. Solche Events gehören zu dieser Stadt und sie sind hier etwas besonders: Nicht umsonst ist Weimar eine Kulturstadt mit einem Kulturbahnhof.

Wie jedes Jahr wertet die Weimarer Presse das Wochenende des Zwiebelmarktes aus, was bedeutet dass sie sich darüber freut, dass dieses Jahr wieder mehr BesucherInnen aus ganz Deutschland am traditionellen Zwiebelfest teilgenommen haben.
Ereignisse anderer Art finden in der Auswertung jedoch kaum eine Beachtung: Etwa, dass sich am Freitag den 9. Oktober vor der Bühne des „Zwiebel Assault“ (ein Metal-Konzert auf dem Zwiebelmarkt) die gesamten Kameradschaften aus Thüringen versammelt hatten, die dann wohl daran beteiligt waren am Samstag einen 23-Jährigen halb tot zu prügeln. Das Opfer musste im Krankenhaus notoperiert werden, die Diagnose stellte einen Milzriss und innere Blutungen fest. [1] Continued…

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Planwirtschaftliche Luftschlösser

von W.Morgenröthe, Gruppe Surpasser, 2009

Am 31. Oktober 2009 veranstalten verschiedene Berliner Gruppen einen Workshoptag zu Scheitern und Zukunft des Kommunismus1. Das Scheitern des Kommunismus zeigte sich jedoch nicht in der Analyse historisch-spezifischer Formen des Realsozialismus am deutlichsten, sondern in der inhaltlichen Ausrichtung der Veranstalter.innen. Dieser Text beschäftigt sich speziell mit dem Seminar „Die Assoziation freier Produzent.innen“, welches die Gruppe [paeris] angeboten hatte, wobei in der Diskussion auch Vertreter.innen von TOP B3rlin und Never Going Home sich wohlwollend der vorgetragenen Argumentation anschlossen.

Schon die Einleitung sollte sinnbildlich für das nachfolgende Versagen jeder theoretischen Reflexion stehen: Man müsse doch endlich das Bilderverbot des Kommunismus überwinden. Dieses petitio principii ließ bei einigen Teilnehmer.innen schon ein verzücktes Lächeln aufblitzen. Man sei doch so oft in der peinlichen Situation, dass man gefragt werde „Wie sieht er denn aus, dein Kommunismus?“, dass man darauf eine Antwort geben können müsste, so die weitere Argumentation. An dieser Situation ist einzig die Frage peinlich, die wie jede dumme Frage auch keiner Antwort bedarf. Deutlich wurde jedoch, dass man sich in der Beschreibung dessen, was Kommunismus sein kann, nicht mehr auf die Analyse gesellschaftlicher Widersprüche, auf deren Aufhebung der Kommunismus drängen sollte, einlassen möchte, sondern endlich mal eine klare Antwort geben wolle. Die Binsenweisheit, dass die einfachen Antworten auch die problematischsten seien, bewahrheitete sich daraufhin in erschreckender Art und Weise. Continued…

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Von deutschen Demokraten und aufrechten Nationalisten

Kommentar: Der folgende Text ist eine Intervention in die Weimarer Öffentlichkeit, welche sich zur Zeit über die steigende Präsens der NPD echoffiert, welche immer wieder durch Wahlstände auf sich aufmerksam macht. Erschienen ist er in Form eines Flugblattes, was die inhaltliche und förmliche Knappheit erklärt.

„Supergedenk-und Superwahljahr “ sind die Schlagworte, welche 2009 omnipräsent zu sein scheinen. Dabei stehen der positive Bezug auf die eigene Nation und die reflexartige Bejahung der Demokratie an höchster Stelle. Es gilt durch „60 Jahre Grundgesetz “ und „20 Jahre Mauerfall “ eine deutsche Identität zu schaffen, die frei ist von Massenmord und Vernichtungswahn. In Weimar ist zudem mit dem 90.Jahrestag der Weimarer Verfassung der schwarz-rot-goldene Farbentaumel perfekt und man müht sich den eigenen, demokratischen Standort gegen jeden „Befall von außen “ zu verteidigen. Continued…

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Rechte Gewalt und die bürgerliche Gesellschaft

Immer wieder häufen sich in der Bundesrepublik so genannte rechtsextreme Gewaltakte und Übergriffe. Seit der Wiedervereinigung gab es unzählige Gewaltakte gegen jene, die von Deutschen als „fremd“ oder „anders“ angesehen wurden. Nach einer Homepage, die rechte Gewalttaten kontinuierlich dokumentiert, gab es seit 1989 131 Todesopfer rechter Gewalt. Wir als Kommunisten fragen besonders nach den Ursachen dieser Gewalt und sehen diese auch in der herrschenden Gesellschaft, und rechte Gewalt nicht nur als Randphänomen einer ansonsten demokratischen Einrichtung. Deshalb halten wir eine Analyse der herrschenden Zustände für unabdinglich, wenn nationalistische Gewalt etwas entgegengesetzt werden soll und wollen auch eine radikale Gesellschaftskritik in diese Kulturstadt tragen, in der immer wieder und gerade in letzter Zeit eine Kultur überhand nimmt, welche nicht so recht in das klassische, demokratische Weimar passen will, nämlich eine nationalistische und dies so brutal wie erschreckend. Continued…

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…umgezogen.

Die Gruppe „Surpasser“ hat sich umstrukturiert und überregional vernetzt, beschränkt ihr Aktivitäten also nun nicht mehr nur auf Weimar. Daher sind wir auch mit unserer Web-Präsens hierhin umgezogen. Unser altes Blogs könnt ihr immer noch unter www.SurpasserWeimar.Blogsport.de finden. Alle Texte sind aber auch hier präsent. Um sie zu finden Klicke einfach oben Rechts auf den Link „Texte“.

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